Veröffentlicht am 7. August 2026 · 3 Min. Lesezeit

Du sitzt auf der Terrasse, die Sonne geht unter, und du denkst, es wäre schön, allen kurz zu schreiben. Deiner Mutter, deiner Schwiegermutter, der Tante, die seit vierzig Jahren jede Karte aufhebt, den Freunden, die dir letzten Sommer ihren Bus geliehen haben. Du zählst durch: neun Leute. Und schon ist die Lust weg, weil du dir die Stunde ausmalst, in der du neunmal dasselbe abschreibst, Adressen zusammensuchst und sonntags einen Laden mit Briefmarken jagst.
Die gute Nachricht: Niemand verlangt neun verschiedene Texte von dir. Eine Postkarte ist kein Brief, sondern der Beweis, dass du an einem bestimmten Ort an einem bestimmten Tag an jemanden gedacht hast. Dieselbe Nachricht darf in neun Briefkästen landen, ohne an Wert zu verlieren.
Die Methode hat zwei Schritte. Zuerst schreibst du den Kern: drei, vier Sätze über den Ort, das Abendessen, den Unsinn deines Jüngsten, den Namen vom Hund der Nachbarn. Danach änderst du nur die erste Zeile, die sich an die Person richtet. Oma, wir haben deinen Strand wiedergefunden, er ist genau wie früher. Marc, der Bus hat durchgehalten, danke nochmal. Zehn Sekunden pro Karte, und jede wird persönlich.
Lass das enge Selfie und das Tellerfoto weg: Beides altert schlecht und sagt deiner Großtante nichts. Nimm lieber ein Bild, bei dem man sofort sieht, wo ihr seid, die Bucht am frühen Morgen, winzige Kinder vor einer Felswand, der gedeckte Tisch unter den Reben. Ein weites, scharfes Foto mit gutem Licht wirkt im Format zehn mal fünfzehn hervorragend und macht in jeder Küche der Familie denselben Eindruck.
Das ist die eigentliche Hürde, und sie verschwindet, sobald du es einmal erledigt hast. Schreib die vollständigen Adressen an einem Winterabend auf, wenn du Zeit hast, mit Postleitzahl und Stockwerk. Im Jahr darauf dauert der Sammelversand fünf Minuten. Bei uns geht jede Karte gedruckt und frankiert raus, ab 2,29 € komplett, die ganze Familie zu versorgen bleibt also günstiger als ein Essen im Restaurant.